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Figura Theaterfestival
Baden, 12.–17. Juni 2018
 
 

Liebe Freundinnen und Freunde des Figura Theaterfestivals

Eine Mehrzahl der Theater und Bühnen haben bereits die Sommerpause eingeläutet. Doch keine Bange, Figurentheater ist auch andernorts sicht- und erfahrbar, wie beispielsweise in Ausstellungen in Fribourg und Genf, am Zürcher Theater Spektakel, an der Badenfahrt sowie am Festival Fantoche.
Bevor auch FIGURA in die Ferien fährt, stellen wir Euch noch den neuen technischen Leiter Christoph Gorgé vor und lassen Delia Dahinden fünf Fragen beantworten.

FIGURA wünscht einen schönen Sommer!

 

 

Christoph Gorgé ist der neue technische Leiter von FIGURA

Für FIGURA 2018 wird neu Christoph Gorgé als technischer Leiter tätig sein (Bild © zvg). Der Lichtdesigner und Veranstaltungstechniker war bereits technischer Leiter des Festivals Auawirleben, der Kaserne Basel, vom Theaterfestival Basel, der Biennale Bern und von Steps. Ebenfalls nahm er mehrere Lehraufträge im In- und Ausland wahr.
Seine erste Auseinandersetzung mit Figurentheater auf professioneller Ebene erfolgte in den frühen 1990er Jahren bei der Produktion «Zimtläden» von Teatr Kreatur. Während der Zeit als verantwortlicher technischer Leiter in den verschiedenen Häusern betreute Christoph Gorgé Produktionen von Grössen wie Ariane Mnouchkine, den Mitgliedern der Handspring Puppet Company oder Suse Wächter und Tom Kühnel. Doch ein Wunsch blieb bis zum jetzigen Zeitpunkt offen: «Eine Schattentheaterproduktion hingegen habe ich noch nie betreut.»



FIGURA mit Mondoskop bei der Badenfahrt

Alle zehn Jahre findet das Grossereignis in der Stadt an der Limmat statt: die Badenfahrt. Während zehn Tagen (18.-27. August) herrscht der Ausnahmezustand. FIGURA ist mit der Installation «Mondoskop» auf der Hochbrücke vertreten: Hier werden für einmal FigurenspielerInnen und TechnikerInnen durch Motoren, Servos und intelligente Mikrochips ersetzt. In neun mannshohen Kisten, äusserlich identisch und vom nostalgischen Charme älterer Generationen von Spielautomaten geprägt, wird durch den Einwurf eines Einfränklers ein kleines Theater in Gang gesetzt, das mit Text, Licht und Bühnenbild in kurzer Zeit eine jeweils völlig andere Geschichte zum Besten gibt. 

Objekt-Theater-Thriller beim Fantoche

Dieses Jahr ist FIGURA bei Fantoche – 15. Internationales Festival für Animationsfilm Baden mit der Produktion «Caravan of Horror» von der französischen Compagnie Bakélite zu Gast (Bild © Olivier Rannou). Wer vor einem kleinen Abenteuer nicht zurückschreckt, sollte die Gelegenheit nutzen und in den engen Wohnwagen steigen. Nervenkitzel garantiert!
Der Wohnwagen ist am 9. und 10. September im Festivalzentrum auf dem Merker-Areal stationiert. Die Tickets für CHF 5.- sind für ein Publikum ab 10 Jahren ausschliesslich an den Spieltagen vor Ort erhältlich.
FIGURA dankt der französischen Botschaft für die Unterstützung.



FIGURA-Glossar: Handpuppe

Eine der ältesten (Puppen-)Theaterformen, deren Ursprung im Dunkeln liegt, ist die Handpuppe. Keine andere Spieltechnik erlaubt eine derart schnelle, aggressive und ‚simple’ Spielweise wie diese. Indem die Puppe über die Hand des Spielers gestülpt wird, mit zwei Fingern in den Ärmeln und einem im Kopf der Puppe, ist fast nur die Gestikulation mit Kopf und Armen möglich.
Wegen ihrem hohen Potential für subversives und groteskes Spiel, wird die Handpuppe von Spielerinnen und Spielern auf der ganzen Welt geschätzt und insbesondere mit Figuren wie Kasper, Punch und Konsorten ausgelebt. Dies ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, weshalb sie so einen bahnbrechenden Erfolg in der Figurentheatergeschichte hat. Im 20. Jahrhundert wurde sie vornehmlich für die Verbreitung von Staatsideologien instrumentalisiert – ein Imageschaden, von dem sich die Handpuppe bis heute nicht ganz erholt hat.
Beim vergangenen FIGURA war die Compagnie Pelele (F) mit der umwerfenden Produktion «Les funestes épousailles de Don Cristobal» (Bild © zvg) zu Gast.



5 Fragen an... Delia Dahinden

Schauspiel, Regie, Flamenco, Figurenspiel und Puppenbau – Delia Dahinden (Bild © zvg) hat viele Standbeine, die alle verbunden sind durch die Arbeit auf und hinter der Bühne. Sie ist ebenfalls Gründungsmitglied des Kollektivs DAKAR Produktion, welches Inszenierungen mit Puppen und Menschen realisiert und zuletzt im Juni mit der zweiten gemeinsamen Arbeit «MATTO REGIERT» im Theater Stadelhofen Premiere gefeiert hat. 

Wieso Figurentheater?
In den 1980er Jahren geriet ich durch Zufall in eine Vorstellung von Neville Tranter und war sprachlos – so etwas hatte ich noch nie gesehen! Diese Intensität, die unglaublichen Bilder und die Synthese von Spieler und Figur haben mich nicht mehr losgelassen. Allerdings dachte ich damals nicht im Traum daran, das selber zu wagen. Und dann begann ich vor ein paar Jahren einfach selber Figuren zu bauen und jetzt feierte DAKAR Produktion mit MATTO REGIERT nach Friedrich Glauser bereits die zweite Premiere!
Figurentheater eröffnet für mich neue Dimensionen. Mich interessieren der Raum zwischen dem Spieler und der Figur und die Auseinandersetzung mit dem an sich leblosen Material. Das Spiel mit Puppen verlangt gleichzeitig hohe Präzision und totale Hingabe und eine Portion Demut, denn man muss sich selbst zurücknehmen und ganz in den Dienst der Puppe stellen.
Wo finden Sie Ihre Inspiration/Ideen?
Überall, in der Literatur, auf der Strasse, im Kunstmuseum, im Gespräch und in den Träumen.
Was für ein Ritual steht vor dem Auftritt?
Ich denke das Stück durch, gehe die Wege auf der Bühne nochmals ab, kontrolliere zum tausendsten Mal, ob alles an seinem Ort bereit liegt und wärme den Körper und die Stimme ein. Wir wünschen uns viel Spass und spucken uns über die Schulter. Wir wissen, dass wir uns alle auf einander verlassen können und das ist einfach toll!
Wann läuft alles rund?
Wenn die Puppe die Führung übernimmt: sie spricht den Text und ich kann ihr einfach folgen. Und es ist wunderbar, wenn das Publikum die Reise in unsere Welt geniessen konnte, von unserer Geschichte berührt wurde und das Theater mit leuchtenden Augen verlässt.
Wer ist Ihr Bühnenvorbild?
Neville Tranter ist für mich ein grosses Vorbild. Aber ich bewundere auch viele andere FigurenspierInnen, die ihre ganz eigenen Formen entwickelt haben. Es gibt einen solchen Reichtum im Figurentheater, dass man gar keine Namen aufzählen kann, die Liste würde viel zu lang werden.



Figurentheater-Ausstellungen

Im Quartier Libre SIG in Genf findet bis zum 15. Oktober die Ausstellung «Le fil d’une passion marionnettes» statt, in welcher anhand verschiedener Puppen und Archivmaterialien die Geschichte des Genfer Marionettentheaters präsentiert wird. Diese Ausstellung ist ebenfalls online als Expo 2.0 präsent.

Im Schweizer Figurentheater-Museum in Fribourg werden bis Ende Oktober Arbeiten des Figurenspielers und Theaterleiters Hansueli Trüb gezeigt. Der Fokus der Ausstellung «Le porteur d'ombres» liegt auf den von Trüb entwickelten Koffer-Schattentheater.

Tipps, Hinweise, Literatur

Figurentheater am Theater Spektakel
Bereits im Ankündigungstext des diesjährigen Zürcher Theater Spektakel werden drei hochkarätige Figurentheaterproduktionen erwähnt: Mit dem ägyptischen Kunstschaffenden Wael Shawky («The Song of Roland: The Arabic Version»), dem südafrikanischen Choreographen und Performer Boyzie Cekwana («The Last King of Kakfontein») und dem argentinischen Autor und Regisseur Mariano Pensotti («Arde brillante en los bosques de la noche») sind Theatermacher geladen, die sich in ihren interdisziplinär ausgerichteten Arbeiten unter anderem mit der Hilfe von Puppen mit aktuellen Themen auseinandersetzen.

Videoportraits auf 3sat und mdr
Der deutsche Fernsehsender 3sat veröffentlichte ein Kurzportrait des Studiengangs Zeitgenössische Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch». Eine Studentin präsentiert zusammen mit einer Puppe Inhalte, Ziele und Möglichkeiten der Ausbildung.
Vom Sender mdr wurde ein Portrait des Puppenspielers Lennart Morgenstern, der festes Ensemblemitglied beim Puppentheater Magdburg ist und bei Moritz Sostmanns Inszenierung «Gott» im Rahmen des diesjährigen Hofspektakels in Magdeburg mitwirkt, online gestellt. In mehreren kurzen Videos wird ein Einblick in die Geschichte und Techniken dieser Theaterform gegeben, sowie die Arbeit und das Leben des Puppenspielers in Magdeburg thematisiert.

 

 

Die Autorin

Franziska Burger hat ihr Herz schon lange an das animierte Objekt auf der Bühne verloren. In ihrer Doktorarbeit, welche sie am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern verfasst, versucht sie dem Verhältnis von SpielerIn und Spielfigur im zeitgenössischen Figuren- und Objekttheater auf den Grund zu gehen. 

Anregungen, Irritationen und Ideen dürfen gerne an info@figura-festival.ch geschickt werden.

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Tel +41 (0)56 221 75 85, info@figura-festival.ch, www.figura-festival.ch